Geschichtliches

        Mecklenburg-Karte um 1890 (groß - 310 KB)

Mecklenburg im 19. Jahrhundert - der Hintergrund der Massenauswanderung

Anfang des 19. Jahrhunderts verharrte die Masse des Volkes - insbesondere die gerade aus der Leibeigenschaft entlassene bäuerliche Landbevölkerung - zunächst in völliger Ruhe, war sie doch unerfahren im Umgang mit den oft entwürdigenden Bedingungen der neuen Freiheit. Sie versuchten nicht nur, die durch die napoleonischen Kriege geschlagenen Wunden zu heilen, sondern in der neuen harten Realität überhaupt zu überleben.

Alle Versuche, die überlebte ständische Verfassung, diesen zentralen Bremsklotz sowohl der wirtschaftlichen als auch der politischen Entwicklung zu beseitigen, schlugen während des gesamten 19. Jahrhunderts fehl.

So blieb über Jahrzehnte in Mecklenburg nahezu alles unverändert.

Das Schulwesen, vor allem auf den Gütern der Ritterschaftlichen Ämter, war äußerst desolat. Wenn die Bauernkinder nur die Bibel halbwegs buchstabieren konnten, war das Bildungsziel voll erreicht. Wohnungslose ehemalige Leibeigene, zu Landstreichern und Bettlern geworden, durchstreiften das Land. Das "Landarbeitshaus" in Güstrow (vornehme Umschreibung für ein Zuchthaus für heimat- und besitzlos gewordene einstige Bauern) war deshalb rasch überfüllt. Das sogenannte "politische Leben" war geprägt von Verboten: Zensur für Bücher und Schriften, Überwachung des öffentlichen Lebens - hier besonders der Universität - sowie Verbot aller politischer Veranstaltungen, Vereine und dergleichen.

Nach der fehlgeschlagenen Revolution von 1848 gab es wenig Hoffnung auf Veränderungen. Auf dem Lande ließ sich auf Grund der starren Macht- und Eigentumsverhältnisse der Traum der kleinen Bauern und Tagelöhner vom eigenen Grund und Boden nicht verwirklichen.

In den Städten verhinderte das Festhalten der Zünfte an alten Privilegien die Weiterentwicklung der Wirtschaft.

So führte die steigende Effektivität der Agrarproduktion und die spät einsetzende und nur schwache industrielle Entwicklung in den Städten zu Massenarmut und Überbevölkerung auf dem Lande.

Die Kündigung von Tagelöhnern bedeutete den sozialen Abstieg, denn der Verlust des Arbeitsverhältnisses führte gleichzeitig zum Verlust des Wohn- und damit des Heimatrechtes. Zwar bemühten sich selbst einige Gutsbesitzer, adlige wie bürgerliche, das Leben ihrer Landarbeiter zumindest erträglich zu gestalten, doch blieben sie eine Minderheit.

So blieb den Menschen, vorrangig den auf dem Lande lebenden, letztlich nur der Ausweg und die Hoffnung, in einem anderen Land das zu finden, was die Heimat und ihre Obrigkeiten ihnen beständig verweigerten.


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